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19.06.2011

Mit Poroton auf der Überholspur

18.06.2011 - WÖLLSTEIN

Von Thomas Ehlke, Redaktionsleiter Allgemeine Zeitung Alzey

UNTERNEHMENSPORTRÄT Wöllsteiner Ziegelhersteller Juwö erfolgreich mit innovativen Konzepten



Als die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise 2009 weltweit Unternehmen reihenweise in den Konkurs trieb, zeigte der Wöllsteiner Ziegelhersteller Juwö Poroton, warum das Familienunternehmen schon seit nunmehr fast 150 Jahren einen festen Platz in der Branche hat. Mit Innovation, Flexibilität der Mitarbeiter und unternehmerischem Geschick schaffte es Juwö, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Heute schreibt man zweistellige Umsatz- und Absatzzuwächse - eine Erfolgsgeschichte made in Rheinhessen.

In schwieriger Zeit am Markt behauptet

„Der Mai war einer der besten Monate der Firmengeschichte“, strahlt Firmenchef Stefan Jungk mit Blick auf die vorliegenden Zahlen. Die Familie Jungk ist seit 1862, als der Bauer Philipp Jungk, Urururgroßvater des heutigen Inhabers, das Unternehmen gründete, Betreiber des Ziegelwerkes. Vor zwei Jahren zeigten sich tiefe Sorgenfalten auf Stefan Jungks Stirn: Wurden 1996 noch 600 000 Wohnungen gebaut, waren es 2009 nur noch 145 000 - so wenig wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. „Diese Rezession auf dem Bausektor war auch für uns nicht einfach. Aber gerade in schwierigen Jahren konnten wir uns immer durch neue Produkte am Markt behaupten“, sagt der Diplom-Kaufmann, der in Würzburg Betriebswirtschaft studierte. Zugeständnisse der 70-köpfigen Belegschaft bei der Arbeitszeit und die Nutzung der diesbezüglich vom Staat angebotenen Möglichkeiten taten ein Übriges dazu, dass Juwö Poroton nach einer vorübergehenden Konjunktur-Delle rasch wieder Fahrt aufnahm. Die Schlüssel zum Erfolg waren einerseits die Entwicklung neuer, extrem wärmedämmender Ziegelsteine und andererseits die Ausweitung des Geschäftsfeldes im Ausland.

So kam es, dass die Wöllsteiner Ziegelhersteller in einer Zeit, als andere noch unter der Krise stöhnten, kräftige Zuwächse verzeichneten. Rasant nahm der Konjunkturmotor dann ab Sommer 2010 Fahrt auf: Ein Plus von 13 Prozent auf insgesamt elf Millionen Euro Jahresumsatz stehen für das rückliegende Jahr in den Geschäftsbüchern. „Bei der abgesetzten Menge waren es noch mehr“, erwartet Stefan Jungk für das laufende Jahr eine weitere, kräftige Steigerung. 12,5 Millionen Euro Umsatz sind kalkuliert, nach Lage der Dinge wird diese Zahl deutlich übertroffen.

Juwö will sich gesund wachsen

Jungk rechnet am Ende mit einem Umsatz „irgendwo zwischen 13 und 14 Millionen Euro... Wir nehmen die augenblickliche Dynamik des Marktes mit“, schmunzelt der Juwö-Chef, der das Familienunternehmen 2007 von seinem Vater Ernst K. Jungk übernahm.

„Wenn der Kuchen kleiner wird, muss man sich ein größeres Stück rausholen“, bringt der Juwö-Chef seine Wachstumsphilosophie auf den Punkt. Die Frage, wie man an dieses größere Stück herankommt, war schnell beantwortet. Vor Jahren schon hatte das Wöllsteiner Unternehmen damit begonnen, sich weit über seine rheinhessische Heimat hinaus auszudehnen. So ist man seit 30 Jahren in Belgien aktiv. „Dieses Engagement haben wir deutlich gesteigert“, stellt Stefan Jungk fest. Und auch in Frankreich ist Juwö Poroton dabei, Fuß zu fassen. „Vor zwei Jahren habe ich eine Fachmesse in Paris besucht und festgestellt, dass die französische Konkurrenz beim Wärmeschutz mindestens zehn Jahre zurückliegt.“ Als ein französisches Ziegelwerk in Konkurs geht, angelt sich Jungk dessen Vertriebsleiter. Seit 2010 steigen die Juwö-Absatzzahlen in Frankreich. Doch noch ist Sand im Getriebe. „Das Problem ist, dass die Franzosen ausländischen Anbietern formale Hürden in den Weg stellen“, verdeutlicht das langjährige Vorstandsmitglied der Wirtschaftsjunioren Bad Kreuznach. In England und Irland werden demnächst zehn Lidl-Märkte mit den Poroton-Ziegeln aus Wöllstein gebaut. „Wegen des Wärmsschutzes“, verweist Jungk auf entsprechend hohe Dämmwerte.

Die Wärmedämmung ist es, die den Juwö-Produkten neue Märkte erschließt. Und diese Qualität ist quasi hausgemacht, oder besser: von der Natur gegeben. Denn das Rohmaterial, dass die Jungks seit Firmengründung aus der ergiebigen Tongrube hinter dem Fertigungstrakt auf dem Firmengelände gewinnen, weist Eigenschaften auf, die es laut Jungk bei andernorts vorkommenden Tonen so nicht gibt. Hinzu komnmt die technische Fertigkeit, mit der bei Juwö die Ziegel hergestellt werden. „Das kann so auch nicht jeder“, zeigt sich Stefan Jungk selbstbewusst.

Angst vor „Raubkopien“ hat er deshalb nicht. „Schon heute schaffen unsere Ziegel die Wärmeschutz-Normen, die erst 2012 gefordert sind“, merkt der Juwö-Geschäftsführer an. Passivhaus-Standard erreicht ein spezieller, mit Steinwolle gefüllter Ziegel. „Im Rheingau wurde der zum Beispiel beim Bau eines Plus-Energiehauses verwendet“, so Jungk.

Mit Mitbewerbern zu Gruppe zusammengeschlossen

In Marketing und Vertrieb, aber auch bei Forschung und Entwicklung hat Juwö Poroton sich mit fünf weiteren deutschen Herstellern zur Gruppe „Mein Ziegelhaus“ zusammengeschlossen. „Mittelständische Unternehmen gibt es in der Branche kaum noch. Wir sind eigentlich Dinosaurier“, sagt Stefan Jungk. Doch gemeinsam mit den Kooperationspartnern will das Wöllsteiner Familienunternehmen sich weiter erfolgreich gegen die Marktmacht des weltgrößten Ziegelherstellers Wienerberger aus Österreich stemmen.

Woher nimmt er Zuversicht und Enthusiasmus? „Ich glaube einfach an das Produkt und das Feedback der Kunden bestärkt mich darin.“


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