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Täglich 400 Tonnen Ziegel aus Wöllstein

20.01.2012

Von Torben Schröder

Sie sind mitten unter uns und zählen in ihren Branchen zu den Weltmarktführern. In der Serie „Top-Standort Rheinhessen“ stellt diese Zeitung Unternehmen vor, die in Rheinhessen ihre Wurzeln haben und rund um den Globus erfolgreich sind. Heute: die Firma „Juwö“. „Ich kann eigentlich nicht mehr sagen, ob es mein eigener Entschluss war oder ob ich indoktriniert wurde“, sagt Stefan Jungk schmunzelnd. In der fünften Generation ist die 1862 von Philipp Jungk gegründete Firma „Juwö“ im Familienbesitz, 2007 übernahm Stefan von seinem Vater Ernst Konrad Jungk.

Der Familienstammsitz, ein ehemaliger Bauernhof, beherbergt zurzeit die Verwaltung, und im Hauptgebäude wohnen Stefan Jungks Eltern - gegenüber dem renommierten Arboretum, das Ernst Konrad Jungk hobbymäßig betreut.

Erbaut sind die Häuser und Lagerhallen natürlich aus den Materialien der eigenen Fabrik. Denn die Firma Juwö stellt Ziegel her, seit der Bauer Philipp Jungk am 17. Oktober 1862 die Genehmigung zum Bau eines Ziegelofens erhielt.

72 Mitarbeiter beschäftigt die „JuwöPoroton-Werke Ernst Jungk & Sohn GmbH“ zurzeit, der Umsatz wuchs von 9,9 Millionen Euro im Jahre 2009 auf rund 14,8 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr.

„Das letzte Jahr war eines der besten in der Firmengeschichte. Und für dieses Jahr erwarten wir noch mal ein Umsatzplus von zehn Prozent“, sagt Stefan Jungk, dessen Vater 1997 mit der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt wurde.

Zur Zeit dieser besonderen Auszeichnung begann es brenzlig zu werden für die Firma. Wurden 1996 noch 600 000 Wohnungen gebaut, war es 13 Jahre später nur noch ein Viertel. „1996 bis 2000 waren die schlimmsten Jahre, da hatten wir einen Umsatzeinbruch von 30 bis 40 Prozent“, berichtet Jungk. Das Rezept zum Wiederaufstieg: „In der Krise entwickeln Menschen und dabei auch Formen eine Menge Kreativität.“ In diesem Fall war es die Orientierung an „extrem wärmedämmenden Ziegeln, die von den Kunden immer mehr honoriert wird“.

Insgesamt 60 verschiedene Ziegelsorten bietet Juwö an, von der jährlichen Produktionsmenge könnten 3000 Einfamilienhäuser gebaut werden. 400 Tonnen Ziegel produziert die Firma täglich, zum Abmauern, für Innen- und Außenwände, Ein- und Mehrfamilienhäuser.

Ein hoher Grad an Spezialisierung ist hier vonnöten, und „jedes Jahr gibt es einen neuen Stand an wissenschaftlichen Erkenntnissen“, sagt Jungk, dessen Firma rund eine halbe Million Euro jährlich für Forschung und Entwicklung ausgibt - das meiste innerhalb des „Mein Ziegelhaus“-Zusammenschlusses. So kam man 2008 als Erster mit Steinwolle gefüllten Ziegeln auf den Markt, die sich besonders gut für Passivhäuser eignen. Nach ein paar Monaten Marktvorteil war die Konkurrenz nachgezogen.

Da gilt es, permanent innovativ zu handeln. 2007 gab es eine kurze, höchst lukrative Marktlücke in Polen, aktuell sieht Jungk großes Potenzial in Frankreich. Hinzu kommt ein festes Standbein in Belgien - und eine Partnerschaft mit der Lidl-Gruppe, deren Märkte in England und Irland Juwö mit Ziegeln bestückt. „In diesem Jahr wollen wir die Präsenz in unserer Heimatregion wieder stärken“, sagt Jungk, der einen positiven Nebeneffekt der Wirtschaftskrise sieht: „Immer mehr Menschen legen ihr Geld lieber in ein eigenes Haus an als in Aktien.“ Zudem gebe es einen Trend zu höherwertigen Häusern, und auch in Sachen Klimaschutz sei das Bewusstsein gewachsen - allesamt Argumente für die Qualitäts-Ziegel aus Wöllstein.

Für Nachfolge ist im Hause Jungk übrigens gesorgt. Der neunjährige Sohn und die zwölfjährige Tochter werden zwar „bewusst überhaupt nicht“ in Richtung Firmenübernahme gelenkt, „aber bei uns ist die Firma immer Thema, sodass sie das automatisch mitbekommen“.


Direkter Link zum Bericht hier



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